Die Trommel, die Flöte, die Rassel und die Stimme
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Vor langer Zeit erzählte mir eine weise Frau, dass einer Legende nach, die Trommel, die Flöte, die Rassel und die menschliche Stimme zu den 4 heiligen Tönen gehören.  Sicher auch deshalb, weil sie zu den ersten und ältesten Klanginstrumenten auf unserer Erde gehören.

Die Trommel

Wenn wir eine Trommel halten, dann halten wir viel mehr als nur eine Trommel. Wir halten all das in Händen, was sie repräsentiert. Sie ist rund, ein Keis ohne Anfang und ohne Ende. Damit symbolisiert sie nicht nur die Kraft des Kreises und die Unendlichkeit, sondern auch die Einheit, die Gemeinschaft und für mich auch die Erde, die Sonne und den Mond. Wenn ich eine Trommel spiele, dann halte ich sie meistens so, dass der Ton zu mir hin strömt. Ich denke, dass sie auch die 4 Elemente in sich trägt. Feuer – Erde – Wasser – Luft. Das sind alles Bestandteile unseres Körpers, der wiederum die Bestandteile des gesamten Universums in sich trägt. So spiegelt die Trommel für mich den gesamten Kosmos wieder. Sie fokussiert innerhalb weniger Minuten zur Ruhe und Klarheit, macht meinen Kopf leer und lässt mich spüren, was gerade wichtig oder unwichtig ist.


Die Flöte
Die Indianer nannten die Flötenmusik: „Wind der Leben ins Herz bringt.”
Ein indianischer Flötenbauer sagte einmal, das Herz des Holzes, seine Mitte ist weich muss beim Bau durch den Flötenbauer entfernt werden. Die Aufgabe des Flötenspielers ist es dann, diese Mitte durch sein eigenes Herz wieder herzustellen  …

Wenn wir eine indianische Flöte spielen, dann spielen wir sehr viel mehr, als nur ein Instrument. Wir halten all das in Händen was sie repräsentiert. Wir spüren die Verbundenheit mit der Natur und die Kraft des Baumes aus dem ihr Holz stammt. Gleichzeitig ist sie verbunden mit der Kraft unseres Atems, dem Wind, mit dem wir ihren weichen, warmen Ton erzeugen. Kaum jemand kann sich dem wunderbaren Klang der indianischen Flöte entziehen. Wie kaum ein anderes Instrument ist sie im Stande den Mensch ganz tief zu berühren und zu erreichen.


Die Rassel

Mit einer Rassel wenden wir uns dem Element Wasser zu. Durch ihre feinen und höher frequentierten Schwingungen vermag sie tief in unser Energiefeld eindringen und öffnet unser Bewusstsein für andere Ebenen. Ihre Herstellung ist eine heilige Zeremonie. Ihr wird nachgesagt, dass sie die sanfte Stimme von „Wakan Tanka“ ist und sie uns einen Schauerregen von Segnungen auf die Erde sendet. Das Anrufen und Anlocken von Hilfsgeistern (Spirits) wurde und wird ebenfalls traditionell mit der Rassel durchgeführt. Sie findet auch sehr intensive Anwendung in der Ahnenarbeit. 

Ihre Verwendung ist vielseitig, so kann sie beispielsweise für schamanische Reisen, zum Neutralisieren und Reinigen von Räumen und Plätzen, als rhythmisches Instrument und zum intuitiven Gesang genutzt werden.


Die Stimme

In jedem Mensch wohnt eine verborgene, innere Kraft, es ist die Essenz seiner gesamten Persönlichkeit. Diese Kraft befindet sich in der Stimme, messbar als Frequenz und hörbar als klingender Ton.

Wenn wir singen, machen wir viel mehr als das. Wenn wir unsere Stimme öffnen, sorgen wir dafür, dass sich eine starke, innere schöpferische Kraft ausbreitet, die uns und den Zuhörer mit der eigenen inneren Anbindung und dem Moment in Kontakt bringt. Die Stimme ist so einzigartig wie der menschliche Fingerabdruck. Durch sie offenbart sich unser ganzes Wesen. Wenn wir die Kraft unserer Stimme finden und unseren eigenen Klang/Ton aktivieren, eröffnen sich faszinierende Ebenen, aus denen mit einer bisher nicht gekannten Leichtigkeit und Klarheit beruhigende Melodien, Rhythmen, archaische Worte und andere wohlwollende Klänge fließen.

Unsere Kraft, unsere Stimme

Im Nada Brahma steht geschrieben, dass sich einst die Götter zusammen gesetzt haben, um zu überlegen, wo sie unsere Kraft, unsere Essenz am Besten verstecken, damit sie geschützt ist und wir sie nicht so leicht finden. Kein Land war ihnen zu weit, kein Berg zu hoch und kein Meer zu tief. So beschlossen sie, die Kraft des Menschen einfach im Menschen selbst zu verstecken, denn da würde der Mensch so schnell nicht suchen ….

Irgendwie stimmt diese Legende, denn der Mensch sucht immer Außen. Er sucht in Büchern, in Seminaren, im Gegenüber, im Partner etc. Er reist sogar zu den abgelegensten Orten der Welt um „sich selbst zu finden“. Dabei können wir uns, unsere Essenz, unsere innewohnende Kraft auch im eigenen Umfeld und im Alltag finden.

So werden im Zusammenwirken durch die Kraft der Stimme, der Trommel und der Flöte, große spirituelle Ebenen als ein innerer Weg zur Selbsterkenntnis erfahrbar. Dadurch öffnen sich in uns wunderbare Tore der Stille, hinter denen sich unsere innere Kraft befindet und nur darauf wartet, gefunden zu werden. Und vielleicht begegnet uns dabei etwas, das älter ist als die Zeit ……

Text/Fotos (c)Kayo-Matú 2014