Meine Mokassins

Meine Mokassins sind sehr viel mehr als nur Mokassins. Ein Freund hat sie speziell für mich gemacht. Gerade jetzt, wo ich diesen neuen Pfad betrete. Von meinem Pfad hat er nichts gewusst. Ich bin der Meinung, dass die wahren Kraftgegenstände als Geschenk zu uns kommen.

Er schrieb mir, dass er noch nie so viele Perlen auf Mokassins gefädelt hat. Und er hat schon so einige in seinem Leben gemacht. Er hat extra besondere Perlchen verwendet, die so geschnitten sind, dass sie in der Sonne funkeln und glitzern wie Diamanten. „Sie sollen dich immer wieder an das Funkeln deines Seelenkerns erinnern“, schrieb er mir. Über viele Monate hat er täglich an meinen Mokassins gearbeitet, der Indianer.

Mit Mokassins kann ich ganz leise gehen, fast lautlos. So erinnern sie mich nicht nur daran, in Achtsamkeit durch die Natur, sondern überhaupt achtsam durchs Leben zu gehen. Vor allem auch achtsam mir selbst gegenüber. Er hat symbolisch auf jeden Schuh eine Bärentatze gemacht. Beide so herum, wie auch der Bär läuft; für Kayo-Matú was Doppelbär bedeutet. Was für eine schöne Symbolik und überhaupt, dass er daran gedacht hat. Vor einigen Jahrzehnten sagte einer meiner schamanischen Lehrer: “Lerne Du erst mal achtsam über die Erde zu laufen, bevor ich dir etwas über alte Werte erzähle”. Als ich meine Mokassins zum Ersten mal trug, musste ich an diesen Satz denken. Dabei fing es leicht an zu regnen. So hat sich das besondere, weiche Hirschleder komplett an meinen Fuß angepasst, wie eine zweite Haut. Und wenn ich sie jetzt trage, habe ich das Gefühl ich laufe barfuß. “Im Sommer kühlen sie, im Winter wärmen sie”, sagte mir der Indianer.

Wenn ich an den Weisheitsspruch denke, dass man nie über einen anderen urteilen soll, bevor man nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gegangen ist, dann denke ich darüber nach, mich weiter in Empathie zu üben und zu versuchen, mich in den anderen hineinzuversetzen, damit ich die Welt und dessen Wertnormen auch aus seiner Sicht sehen kann. Sicher geht es dabei auch um ein verständnisvolles Miteinander. Wie verheißungsvoll!

Es fasziniert mich sehr zu wissen, dass die Mokassins zu den ältesten Schuhmodellen der Menschheit zählen. Tatsächlich haben sie eine 30.000 Jahre alte Geschichte. Genau so tiefe geschichtliche Hintergründe wie meine geliebte Rahmentrommel. Vielleicht möchten mich auch die Mokassins an die vergessenen, archaischen Werte der NatUr-Völker erinnern. Altes verloren gegangenes Erbe in mir in Erinnerung rufen, um mir wieder der eigenen, inneren Anbindung bewusst zu werden. Der alte Pfad zu mir selbst, zur Natur, der immer da war und immer da sein wird. Vielleicht begegnet mir ja auf diesem Pfad mit meinen Mokassins etwas, das älter ist als die Zeit.

Text ©Kayo-Matú 2017